Blickpunkt Euskirchen (Auszug)
Euskirchen (sac). "In 5 Tagen zur Traumfigur" oder "7 Pfund in einer Woche mit der Ananas Diät", so oder ähnlich titeln die Zeitschriften, wenn es auf den Sommer zugeht und die Fettpölsterchen vom Winter in eine strandtaugliche Bikinifigur verwandelt werden sollen. Kein Wunder, schließlich ist Übergewicht laut Weltgesundheitsorganisation WHO die Seuche des 21. Jahrhunderts.
Diäten, die in kurzer Zeit viel Erfolg versprechen, können dem Übergewicht jedoch kaum den Kampf ansagen. Sie führen prinzipiell zum so genannten Jojo-Effekt, so dass man als Endergebnis meist noch mehr Pfunde auf den Rippen hat als vorher.
Die einzig sinnvolle Lösung bei Übergewicht oder der Typ-2-Diabetes ist eine "dauerhafte Umstellung der Ernährung", sagt der Euskirchener Diplom-Ökonom Stefan Oversberg. Wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen, dass bei gesunder Ernährung der Blutzuckerspiegel eine entscheidende Rolle spielt. Der glykämische Index, kurz "Glyx" oder "GI" genannt, gibt an, wie stark der Blutzuckerspiegel nach dem Verzehr von Lebensmitteln ansteigt.
Da als Reaktion auf das steile Ansteigen des Blutzuckerspiegels bei einem hohen Glyx auch der Insulinspiegel stark ansteigt, um eben den Blutzuckerspiegel wieder zu senken, folgt schon nach kurzer Zeit wieder ein Hungergefühl, oft verbunden mit Nervosität und Müdigkeit. Und schon ist man wieder auf dem Weg zum Cola-Automaten oder zum Bäcker an der Ecke…
Diesem Teufelskreis soll eine Glyx-konforme Ernährung entgegenwirken. Bei Nahrungsmitteln mit niedrigem Glyx steigen Blutzuckerspiegel und Insulinspiegel nur leicht an, so dass das Hungergefühl verringert wird. Angenehme Nebenwirkungen sind neben der Gewichtsabnahme das geringere Risiko, an Diabetes zu erkranken sowie sinkende Blutfettwerte als Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall.
Die Glyx-konforme Ernährung - auch "Low-Carb" oder "Slow-Carb" genannt - kombiniert Lebensmittel mit niedrigem oder mittlerem Glyx mit fettarmen, eiweißreichen Lebensmitteln. Verboten sind Zucker, Weißmehlprodukte wie Nudeln, Reis oder Kartoffeln (mit einigen Ausnahmen) sowie Bier und hochprozentige Alkoholika.
Dies hört sich etwas gewöhnungsbedürftig an, doch wer auf Vollkornprodukte, Basmati- oder Naturreis, Pellkartoffeln und trockenen Rotwein oder Champagner umsteigt, muss nicht allzu viel entbehren. Lediglich der Verzehr von Genussmitteln sollte eingeschränkt werden, Vollmilchschokolade wird von Bitterschokolade ersetzt. Produkte mit niedrigem GI, wie lowcarb KitKat in England, lowcarb Nutella in Australien und lowcarb Bier in den USA, lassen aber auch Naschkatzen wieder aufatmen.
Das größte Problem bei der Ernährungsumstellung ist für die meisten wahrscheinlich schon ein alter Bekannter: unser hinterhältiger innerer Schweinehund. Ist der erst einmal dingfest gemacht, sollte einer gesunden Ernährung eigentlich nichts mehr im Wege stehen.
Doch die Realität sieht anders aus, die besten Vorsätze sind oft nicht alltagstauglich. In der Mittagspause steht man vor der Wahl Wiener Schnitzel mit Salzkartoffeln in der Kantine oder Pommes mit Mayo an der Frittenbude um die Ecke. Klar kann man abends für den nächsten Tag vorkochen, aber wer stellt sich schon freiwillig jeden Abend um neun Uhr in die Küche, isst zwei Tage hintereinander dasselbe und wärmt sich alles in der Mikrowelle auf?
An dieser Stelle setzt das Glyxaurant-Konzept von Stefan Oversberg an. Jedes Restaurant kann als Zusatzqualifikation den Namen "Glyxaurant" oder "Glyx-Restaurant" erwerben. Dafür müssen in die reguläre Speisekarte oder in eine zusätzliche Glyx-Karte mindestens fünf Gerichte aufgenommen werden, die sich am glykämischen Index orientieren.
Die Richtung ist also vorgegeben, die Gerichte können sich die Restaurants jedoch selber zusammenstellen. "Ich will nicht, dass ganz Deutschland einen Glyx-Brei kocht, der überall gleich schmeckt", so Oversberg. Sein Ziel ist es, die Glyxaurants so in Deutschland zu etablieren, dass auf ein Fastfood-Restaurant ein Glyx-Restaurant kommt.
Glyx-konforme Ernährung als Alternative zu Fastfood und gutbürgerlicher Küche. "Wenn der Wirt dieses Publikum erwartet, kann er ganz anders kalkulieren und seine Preise machen", weiß der Diplom-Ökonom. Und für die Gäste fällt lästiges Umbestellen à la "Bitte das Steak ohne Folienkartoffel, dafür aber mit doppelt Brokkoli" weg.
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In den USA, Australien, England und anderen Ländern hat sich der Glyx-Trend schon in der Lebensmittelindustrie durchgesetzt. Auch Deutschland reitet bereits auf der Welle, doch mit seinem Glyxaurant-Konzept schafft Stefan Oversberg eine ganz neue Durchbruchsmöglichkeit für gesunde Ernährung in Deutschland.

